Neues hormonfreies Medikament gegen Hitzewallungen

Nicht jede Frau, die unter Hitzewallungen in den Wechseljahren leidet, will oder kann Hormone dagegen nehmen – zum Beispiel, weil sie bereits eine hormonabhängige Brustkrebserkrankung hatte. Für all diese Frauen gibt es seit April 2026 eine neue, hormonfreie Alternative: Elinzanetant (Markenname: Lynkuet®). Erstmals steht damit auch eine Behandlung für Frauen mit Brustkrebs zur Verfügung, die durch die antihormonelle Therapie sehr oft stark unter Hitzewallungen und Nachtschweiß leiden.

Wie wirkt Elinzanetant / Lynkuet?

Wie das bereits seit zwei Jahren erhältliche Fezolinetant (Veoza®) beeinflusst Lynkuet® die Aktivität der Nervenbahnen, die für die Temperaturregulierung im Gehirn zuständig sind (mehr dazu). Im Gegensatz zu Veoza blockiert es dort nicht nur einen, sondern gleich zwei verschiedene Rezeptoren (für die Neurotransmitter Neurokinin-1 und -3), die an der Entstehung von Hitzewallungen beteiligt sind.

Laut den Zulassungsstudien reduziert Elinzanetant die Häufigkeit von Hitzewallungen um bis zu 65 Prozent. Die Wirkung trat bereits innerhalb einer Woche ein und verstärkte sich während der ersten drei Monate noch etwas. Auch Schlafstörungen und die Lebensqualität der Studienteilnehmerinnen verbesserten sich durch die Behandlung signifikant. 

Welche Nebenwirkungen hat Lynkuet?

In den Zulassungsstudien traten bei knapp acht Prozent der Teilnehmerinnen unter Lynkuet Kopfschmerzen auf. Eine von 20 behandelten Frauen klagte über Müdigkeit und Erschöpfung.

Seltenere Nebenwirkungen waren Durchfall, Schläfrigkeit, depressive Stimmung und Muskelkrämpfe. Diese Symptome betrafen überwiegend Frauen mit Brustkrebs, die Lynkuet während der Krebstherapie einnahmen (s.u.).

Wegen der ähnlichen Wirkweise gehen Experten davon aus, dass Lynkuet ebenso wie Veoza die Leberfunktion beeinträchtigen könnte. Bisher gibt es dafür noch keine Hinweise. Dennoch sollten vor der Therapie sicherheitshalber die Leberwerte überprüft werden. Für Frauen mit einer schweren Leberfunktionsstörung wird Lynkuet nicht empfohlen. Bei schweren Nierenerkrankungen raten Experten, die Dosis zu reduzieren (von 120 auf 60 Milligramm täglich, also nur eine statt zwei Weichkapseln). Naturgemäß gibt es so kurz nach der Zulassung noch keine Daten, wie sich eine mehrjährige Einnahme auswirken kann.

Ist Lynkuet besser als Veoza?

Für Lynkuet spricht, dass es nicht nur Hitzewallungen, sondern auch Schlafprobleme verbessern kann. Das kann Veoza nicht so gut, zeigte eine vergleichende Metaanalyse. Außerdem scheint die Wirkung von Lynkuet etwas schneller einzutreten als bei Veoza.

Demgegenüber steht das etwas höhere Risiko von Nebenwirkungen wie Müdigkeit und Kopfschmerzen unter Lynkuet.

Der große Vorteil von Lynkuet: Anders als bei Veoza nahmen an den Zulassungsstudien auch Frauen mit (Hormonrezeptor-positivem) Brustkrebs teil, die eine antihormonelle Therapie erhielten (z. B. Tamoxifen oder Letrozol). Auch bei ihnen erwies es sich als wirksam und sicher. Damit ist Lynkuet® das erste Medikament, das auch zur Behandlung von Hitzewallungen nach einer Brustkrebserkrankung zugelassen ist. 

Fazit:

Du nimmst bereits Veoza und kommst gut damit zurecht? Dann gibt es in der Regel keinen Grund zu wechseln. Wenn du ein hormonfreies Medikament nicht nur gegen deine Hitzewallungen, sondern auch gegen deine Schlafprobleme suchst, ist Lynkuet möglicherweise die bessere Wahl. Für Frauen nach einer Brustkrebserkrankung ist bislang ohnehin nur Lynkuet® zugelassen – auch wenn man aufgrund der ähnlichen Wirkungsweise davon ausgehen kann, dass Veoza® für sie ebenfalls geeignet ist. Beide Medikamente musst du dir von deiner Ärztin oder deinem Arzt verschreiben lassen. Die Kosten übernimmt dann die Krankenkasse.

Pflanzliche Alternativen, die bei Hitzewallungen und anderen Wechseljahresbeschwerden helfen können, findest du hier.

4 Kommentare zu „Neues hormonfreies Medikament gegen Hitzewallungen“

  1. Nun habe ich unterdessen auch einen Versuch mit Lynkuet gestartet, in der Hoffnung, dass es eine bessere Wirkung als Veoza bei mir erreicht. Leider habe auch ich diesen Versuch schnell beendet und bin wieder auf Veoza umgestiegen. Die Hitzewallungen wurden überhaupt nicht gemildert und es ging mir richtig schlecht. Dolles Bauchrumpeln und wie betrunken habe ich mich gefühlt tagsüber im Kopf. Sehr unangenehm. Vielleicht hätte ich es ein paar Wochen durchhalten müssen, um mir ein vollständiges Bild machen zu können, aber das war mir unter diesen Nebenwirkungen und vor allem der ausbleibenden Hauptwirkung, die Hitzewallungen abzumildern, leider nicht möglich.

    Antworten
  2. Hallo liebe Leidensgenossinnen, ich habe Lynkuet bereits getestet und sie leider nach vier Tagen wieder abgesetzt. Es hat bei mir null gegen die starken Hitzewallungen geholfen, habe gut geschlafen, war aber tagsüber wie unter Drogen. Nehme jetzt wieder Veoza und darf nach Rücksprache auch zwei davon nehmen (morgens und abends je eine). Veoza hilft mir innerhalb von einer halben Stunde, allerdings nicht länger als sechs Stunden. Leberwerte sind nur minimal gestiegen und im grünen Bereich.

    Antworten
    • Liebe Tina,
      danke für deinen Bericht. Ich nehme auch seit 2 Jahren Veoza am Abend ein. Leider hält der Effekt bei mir auch nur max. 3 bis 6 Stunden an. Allerdings habe ich den Hersteller angeschrieben, ob ich morgens und abends eine Veoza nehmen dürfte und man verneinte es mir. Darf ich fragen, mit wem du Rücksprache gehalten hast, dass du sie 2x tgl einnehmen darfst? Meine Ärztin sagt, wenn der Hersteller es verneint, dann darf ich sie auch nicht 2 x tgl nehmen und teilen soll ich sie auch nicht. Ich würde mich sehr über eine Antwort freuen.
      Viele Grüße
      Simone

      Antworten

Schreibe einen Kommentar