Blutungen in den Wechseljahren: Was ist normal?

Die Menstruationsblutung in den Wechseljahren ist ungefähr so vorhersagbar wie die Lottozahlen der nächsten Ziehung. Bei manchen Frauen kommt die Periode so regelmäßig wie immer, bis sie eines Tages einfach ausbleibt – das war´s dann. Leider ist das die absolute Ausnahme. Der Normalfall ist eher, dass die Regelblutung jahrelang keiner Regel mehr folgt: Mal kommt sie ein paar Monate nicht, dann wieder im Abstand von wenigen Tagen, mal sind es nur kurze Schmierblutungen, dann nicht enden wollende Sturzfluten. Alles höchst lästig – aber kein Grund zur Besorgnis. 

Der Zyklus spielt verrückt

Denn das alles ist eine Folge der hormonellen Achterbahnfahrt in den Wechseljahren. Anfangs sorgt zwar das Östrogen nach wie vor für den Aufbau der Gebärmutterschleimhaut. Weil aber nicht mehr in jedem Zyklus ein befruchtungsfähiges Ei heranreift, fehlt der natürliche Gegenspieler, das Progesteron. Das wird nämlich im Gelbkörper produziert, der aus der leeren Hülle am Eierstock nach dem Eisprung entsteht. Allmählich geht dann auch das Östrogen zurück – leider aber auch nicht kontinuierlich, sondern in einem nicht vorhersehbaren Auf und Ab. Kurz: Es herrscht Chaos in der Gebärmutter.

Die Vorboten der Menopause

Dieses Lotteriespiel der Menstruation kann sich über einige Jahre hinziehen. Im Durchschnitt dauert es etwa vier Jahre. Beendet ist es mit der Menopause, der endgültig letzten Periodenblutung. Wann die war, kann man dummerweise aber erst im Nachhinein feststellen: wenn zwölf Monate keine Blutung mehr aufgetreten ist. Dann ist normalerweise „Schicht im Schacht“. Normalerweise – denn auch von dieser Regel gibt es Ausnahmen: Es kann vorkommen, dass die Eierstöcke selbst nach einer längeren Pause noch einmal aktiv werden. Zum Beispiel, weil eine neue Liebe die lahmgelegte Hormonproduktion wieder in Schwung bringt. Oder durch eine extreme Ernährungsumstellung oder starke psychische oder physische Belastungen das fragile Hormongleichgewicht wieder aus dem Ruder läuft. Das passiert aber eher selten. 

Die meisten Frauen empfinden es als eine Erleichterung, wenn sich die Menstruation nach so vielen Jahren endlich verabschiedet – auch (oder gerade weil) das Ende selten sang- und klanglos vorübergeht. Nach spätestens einem halben Jahr steigt die Spannung: Kommt sie nochmal? Oder war´s das endlich? Auch ich habe mich mehr als einmal zu früh gefreut. Acht Monate war Ruhe – und aus heiterem Himmel meldet sie sich mit neuer Kraft zurück… dann beginnt die Zeitrechnung wieder von vorn.

Wenn die Blutung nicht enden will

Auch wenn es nervt: Unregelmäßige, länger anhaltende, stärkere oder schwächere Blutungen sind in den Wechseljahren völlig normal. Wenn du aber in kurzen Abständen sehr heftig deine Periode bekommst oder sie länger als zwei Wochen am Stück dauert, solltest du deinen Frauenarzt oder deine Frauenärztin zu Rate ziehen. Zum einen kann ein solcher Blutverlust eine hohe Belastung für den Körper darstellen. Oft führt er zu Erschöpfung und Müdigkeit, Kreislaufproblemen, Schwindel und Eisenmangel. In seltenen Fällen können auch Myome (gutartige Wucherungen in der Gebärmutter), Zysten oder ein Tumor dahinterstecken. Wenn das ausgeschlossen wurde und die Blutungen nicht nachlassen, kann zum Beispiel eine Hormonspirale oder eine Ausschabung helfen.

Warnsignal: Blutungen nach der Menopause

Unbedingt zum Arzt gehen solltest du, wenn seit der letzten Periode deutlich länger als ein Jahr vergangen ist und du dann noch einmal eine Blutung bekommst. Denn das kann ein Warnsignal für ein Endometriumkarzinom sein. Diese bösartige Wucherung der Gebärmutterschleimhaut ist die häufigste Krebserkrankung der weiblichen Geschlechtsorgane und tritt fast immer erst nach der Menopause auf. In 90 Prozent der Fälle äußert sich ein Gebärmuttertumor durch Blutungen nach den Wechseljahren.

Aber keine Panik: Nur eine von acht Frauen mit Blutungen nach der Menopause hat tatsächlich Krebs. In den anderen Fällen stecken Polypen, Myome oder hormonelle Störungen dahinter. Zum Glück ist das Endometriumkarzinom außerdem meistens gut heilbar, wenn es frühzeitig entdeckt wird. Und ungewöhnliche Blutungen gehören in der Regel zu den ersten Symptomen eines Tumorwachstums in der Gebärmutterhöhle. Medizinisch abklären lassen sollte man Blutungen nach den Wechseljahren aber auf jeden Fall.

4 Gedanken zu „Blutungen in den Wechseljahren: Was ist normal?“

  1. Ist bei mir ganz ähnlich. Ich bin 45 und jetzt das erste Mal das periode 14 Tage später gekommen sind. Denke sind die Wechseljahre. Bin teilweisen angespannt reizbar. Schlafe schlechter. Muss öfter auf Toilette. Könnten das Wechseljahre sein? Fing es bei euch auch so an?

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    • Ja, genau so. Meine Periode kam verlässlich aller 28 Tage, dann 2 x nach 26 und plötzlich nach 14 Tagen und ich bin richtig platt. Ich hoffe, das bleibt nicht so ….

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  2. Hallo Clara,
    danke für den Artikel. Ich habe keine Frage, sondern möchte nur meine Erfahrung mit meinen Blutungen berichten, da ich es mir so bei weitem nicht vorgestellt habe und wahrscheinlich bin ich sogar noch ein harmloser Fall.
    Als ich 48 Jahre alt war, meinte mein Mann, dass er mich nicht mehr kennt. Wenn er mich kritisierte, explodierte ich vor Wut, was für mich sehr ungewöhnlich war. Meine Blutungen waren da noch relativ normal, sogar sehr regelmäßig, vielleicht kamen sie mal etwas später so 1 – 2 Wochen, aber nur 1 – 2 mal im Jahr. Ich dachte, meine Gefühlsausbrüche wären durch Stress und / oder Corona bedingt, da wir gerade da beide im Lockdown zu Hause im Home office saßen.
    Beim Frauenarztbesuch sprach ich meine etwas verzögerten Blutungen an und ob das Wechseljahre sein könnten. Der Frauenarzt meinte, dass ich in den Wechseljahren wäre, wenn ich drei Monate keine Blutung hätte. Also glaubte ich, keine Wechseljahre zu haben. Ungefähr 1 Jahr nach Coronaanfang und nach vielen Streitigkeiten mit meinen Mann bekam ich tagsüber Hitzewallungen. Da wusste ich, dass es die Wechseljahre sind. Meine Tage kamen immer noch regelmäßig. Ich besorgte mir einen neuen Frauenarzttermin und bis zu dem Termin machte ich mich kundig und las so z.B. auch das Buch von Sheila de Liz. Ich war über die Liste der Symptome erstaunt, denn ich wusste bis dahin nur von Hitzewallungen und dass irgendwie die Blutungen aufhört. Ich war zu dem Zeitpunkt sehr gereizt, da ich in der Zwischenzeit auch unter Schlafproblemen litt. Beim Frauenarzt ließ ich die Hormone bestimmen. Als der Frauenarzt meine Werte mit FSH 61 mIU/ml, Estradiol unter 10 pg/ml und Progesteron unter 0,2 ng/ml sah, meinte er, dass ich bald mit den Wechseljahren durch sei.
    Wegen meiner Ehe und dem ganzen Stress ging ich eine Hormontherapie ein. Ich wollte so nicht mehr weitermachen. Der Arzt empfahl mir das Estradiolgel und die Tablette durchgehend zu nehmen. Damit schlief ich etwas besser, allerdings noch nicht so richtig gut. Meine Blutungen schlugen zudem Kapriolen: 5 Tage Blutung, 5 Tage nicht, dann wieder 5 Tage Blutung, dann wieder nicht und so weiter. Die Blutung selbst war nicht so stark, aber es war nervig. Um endlich mal wieder durchzuschlafen, erhöhte ich das Östrogengel auf 2 Schübe und das Progesteron auf 200 mg. Irgendwann war die Regel auch wieder normaler.
    Ich ließ nochmal die Hormone bestimme, die jetzt ja mit der Hormongabe beeinflusst waren. Es wurde ein Östrogenspiegel von 140 pg/ml gemessen. Also war ich noch nicht mit der Perimenopause durch. Meine Eierstöcke produzierten eindeutig noch Östrogen.
    Etwas später ging ich zu einem anderen Frauenarzt. Bei meinem bisherigen fühlte ich mich nicht mehr so wohl.
    Dieser maß die Mutterschleimhaut, die mit 12-13 mm viel zu dick war. Bei der nächsten Blutung sollte ich dann das Östrogengel absetzen, um eine richtige Blutung hervorzurufen und nach einer Woche nur ein Hub Östrogengel und 100 mg Progesteron nehmen. Die erste Blutung war tatsächlich mehr. Und eine Kontrolle beim Frauenarzt drei Monate später ergab, dass die Mutterschleimhautdicke wieder okay war. Aber meine Blutung spielte wieder verückt und das hält bisher an. Mal habe ich 10 – 12 Tage die Blutung, wenn auch teilweise nicht viel. Dann habe ich eine Pause von 3 – 6 Tage und dann fängt es wieder an. Es nervt (immer noch).
    Das Gute ist, das ich mir sicher bin, dass das irgendwann aufhört.
    Wahrscheinlich muss sich das alles einspielen.
    Mein Mann und ich streiten uns noch, manchmal auch heftig, aber es ist immerhin weniger geworden. Zeitweise haben wir uns 2-3 mal die Woche in die Haare bekommen. Jetzt kann es sein, dass wir uns eine ganze Woche nicht streiten.
    Das macht mir immerhin Hoffnung.
    Viele Grüße,
    Heike

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    • Liebe Heike, vielen Dank, dass du deine Erfahrungen mit uns teilst! Ich weiß, dass es vielen Frauen ganz ähnlich wie dir geht. Leider wird man darauf viel zu wenig vorbereitet. Umso wichtiger finde ich den gegenseitigen Austausch.
      Ich wünsche dir alles Gute!
      Ganz liebe Grüße, Clara

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