Frauenarzt: So erkennst du den Richtigen

Fühlst du dich bei deinem Frauenarzt oder deiner Frauenärztin gut aufgehoben? Und auch in den Wechseljahren ernstgenommen und umfassend beraten? Dann kannst du dich glücklich schätzen. Viele Frauen machen leider andere Erfahrungen. Denn in der gynäkologischen Aus- und Fortbildung werden die Wechseljahre – im Gegensatz zu Verhütung und Schwangerschaft beispielsweise – immer noch stiefmütterlich behandelt. 

Auch heute noch sind leider viele Ärztinnen und Ärzten überzeugt, dass die Wechseljahre eine Hormonmangelerkrankung sind, die es durch eine Hormonersatztherapie zu „heilen“ gilt. Wenn ihre Patientinnen das anders sehen, fehlt es ihnen dafür oft an Verständnis. Für Diskussionen oder ein etwas ausführlicheres Beratungsgespräch haben sie im hektischen Praxisalltag ohnehin kaum Zeit.

Beratung Fehlanzeige?

„Er hat mich nur gefragt, wann meine letzte Periode war. Ansonsten hat er das Thema Wechseljahre nicht angeschnitten. Ob ich Hitzewallungen oder Schlafstörungen oder sonst irgendwelche Beschwerden habe, hat ihn gar nicht interessiert. Und das, obwohl ich seit über 20 Jahren bei ihm bin und er meine beiden Kinder auf die Welt gebracht hat“, erzählt meine Freundin Sabine nach dem letzten Vorsorgetermin bei ihrem Gynäkologen enttäuscht. Und Monika klagt: „Sein einziger Rat war, Hormone zu nehmen. Das fand ich ein bisschen wenig – vor allem, weil ich genau das nicht wollte. Aber auf meine Angst vor Brustkrebs ist er überhaupt nicht eingegangen.“ Noch schlimmer erging es Andrea, die sich einen Rat wegen ihrer ständigen Müdigkeit und Antriebslosigkeit erhoffte: „Das ist normal in ihrem Alter. Gehen Sie früher ins Bett“, sei das Einzige gewesen, was sie zu hören bekam.

Die Chemie muss stimmen

Spätestens bei einer solchen Aussage ist es Zeit für einen Wechsel, finde ich. Aber wie findet frau einen guten Gynäkologen oder eine gute Gynäkologin? Hilfreich ist oft die Empfehlung einer Freundin oder Bekannten. Allerdings gehen schon bei der Geschlechterfrage die Meinungen auseinander: „Ich fände es unangenehm, so intime Körperteile von einem Mann untersuchen zu lassen“, sagen die einen. „Wenn die Chemie passt und er fachlich kompetent ist, ist es egal, ob Mann oder Frau“, meinen die anderen. Ich persönlich fühle mich von einer Frau einfach besser verstanden, gerade jetzt in den Wechseljahren. Meine Frauenärztin etwas älter als ich und ich habe das Gefühl, dass sie nachempfinden kann, wie es mir geht. Bei einem Mann würde mir das fehlen, auch wenn er fachlich genauso gut sein mag.

Selbstzahler-Leistungen: sinnvoll oder Geldmacherei?

Von der eigenen Einstellung hängt es auch ab, ob man Wert auf Zusatzqualifikationen legt – wie etwa Naturheilverfahren oder Akupunktur. „Mir ist wichtig, dass ein Arzt nicht nur die klassische Schulmedizin kennt, sondern mir auch mal pflanzliche oder homöopathische Mittel empfiehlt“, erklärt Andrea. Dass sie dafür oft in die eigene Tasche greifen muss, ist es ihr wert. Manch ein/e Mediziner/in übertreibt es allerdings mit den sogenannten individuellen Gesundheitsleistungen (IGeL). „Ohne Zuzahlung läuft bei meiner Frauenärztin nichts mehr. Egal, ob für den Ultraschall oder für einen Abstrich außer der Reihe. Ich weiß nicht, ob das immer nötig ist oder nur Geschäftemacherei“, klagt eine andere Freundin. Einen Hinweis darauf, welche Leistungen sinnvoll und welche überflüssig sind, kann der IGeL-Monitor vom Medizinischen Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen (MDS) geben. Auf jeden Fall sollte der Arzt erläutern, warum er eine Untersuchung im Einzelfall empfiehlt und was sie kostet.

Checkliste: Das macht einen guten Frauenarzt aus

  • Vor der gynäkologischen Untersuchung nimmt er/ sie sich Zeit für ein (kurzes) Vorgespräch, bevor ich mich ausziehen muss.
  • Er/sie fragt gezielt nach, ob ich in den Wechseljahren zum Beispiel unter Hitzewallungen oder Scheidentrockenheit leide.
  • Er/sie erklärt genau, was bei der Untersuchung passiert und warum es gemacht wird.
  • Er/sie erläutert die Vorteile und Risiken der vorgeschlagenen Behandlung und nennt auch Alternativen.
  • Er/sie hat immer ein offenes Ohr für Fragen.
  • Er/sie drückt sich verständlich aus und spricht nicht nur „Fachchinesisch“. 
  • Ich habe genug Vertrauen zu ihm/ihr, um auch vermeintliche „peinliche“ Themen wie zum Beispiel Schmerzen beim Sex ansprechen zu können.
  • Bei Beschwerden bekomme ich zeitnah einen Termin.

Der Nachteil: Frauenärztinnen und Frauenärzte, die all diese Kriterien erfüllen, sind oft so beliebt, dass man mit langen Wartezeiten rechnen muss. Bei der Gynäkologin meines Vertrauens muss ich für eine normale Vorsorgeuntersuchung eine Vorlaufzeit von fast einem halben Jahr einplanen. Trotz Termin warte ich manchmal fast eine Stunde, bis ich endlich drankomme. Aber sie nimmt sich Zeit für mich. Und wenn ich ein akutes Problem habe, schiebt sie mich kurzfristig dazwischen. Weil sie das natürlich bei anderen Patientinnen genauso macht, nehme ich die längeren Wartezeiten in Kauf – auch wenn´s nervt.

Gespräch auf Augenhöhe 

Gerade, wenn man auf dem Land wohnt, kann es allerdings manchmal schwierig sein, einen besseren Arzt in erreichbarer Nähe zu finden. Wenn ein Wechsel nicht möglich ist, hilft nur eines: Nicht abwimmeln und nicht einschüchtern lassen, wenn du dich in den Wechseljahren nicht ernstgenommen fühlst. Lass dir keine Hormontherapie aufschwatzen, wenn du es nicht willst. Das heißt nicht, dass du medizinische Autorität nicht anerkennst – aber es gibt immer ein Pro und ein Contra. Frag nach, bis du alles genau verstanden hast. Und entscheide dann in Ruhe, was für dich die beste Option ist.

5 Gedanken zu „Frauenarzt: So erkennst du den Richtigen“

  1. Hallo,
    toll, dass Du einen Blog machst zu diesem „nebulösem Thema“!
    Meine Frauenärztin lachte mich beinahe aus, als ich sie fragte, ob ich noch schwanger werden könne ( meine Periode kommt und geht die letzten Jahre so zwischen 3 und 8 Monaten….), ich bin jetzt 51 🙂
    Danke für Deine Antwort

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  2. Hallo, ich bin gerade auf deinen Blog gestoßen und finde ihn sehr hilfreich. Ein Thema suche ich leider auch bei Dir vergeblich: Scheidentrockenheit. Darüber spricht kein Mensch, es gibt keine Infos, Frauen reden verschämt nicht darüber und Ärzte heben eine Augenbraue und verschreiben fix Hormoncreme… Es ist als ob dieses Thema nicht existiert und erfüllender Sex im Alter nicht mehr sein darf, wir kein Recht darauf haben oder das es zuuuu peinlich ist…. ich bin echt entäuscht, das auch Du dieses Thema nicht aktiver ansprichst. VG von Katrin

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