Wie du deine Hitzewallungen lieben lernst

Magst du deine Hitzewallungen? 

Was für eine dämliche Frage. Ich hasse meine Hitzewallungen. Ich hasse das Gefühl, wenn meine Haut anfängt zu kribbeln, mein Körper glüht und der Schweiß in kleinen Bächen den Nacken hinunterrinnt. Und noch viel mehr hasse ich es, wenn mir die Hitzewallungen den Schlaf rauben. Schweißausbruch, Decke weg, Frösteln, Decke wieder drüber – und schon naht der nächste Schwitzanfall… Dazwischen ein Ausflug auf den Balkon, wenn das Laken schon glüht, und ein frisches Nachthemd anziehen. In solchen Momenten verfluche ich meine inneren Hitzen und die Wechseljahre überhaupt. Ich bin sicher, so oder so ähnlich kennen das viele von euch.

Klar: Hitzewallungen nerven. Kolossal. Ein bisschen jammern und schimpfen ist ab und zu auch okay, finde ich. Nur: Besser macht’s der Ärger nicht. Im Gegenteil. 

Ärger verstärkt die Hitzen

Denn Hitzewallungen haben viel mit Stress zu tun. Vielleicht ist es dir schon einmal aufgefallen: Der Auslöser für die lästigen Schweißausbrüche ist meistens ein winziger Stressmoment – ein unangenehmer Gedanke, ein lautes Geräusch, ein Schreck, eine ungute Erinnerung. Dabei werden Stresshormone ausgeschüttet und die Temperatursteuerung gerät aus dem Gleichgewicht. Wenn ich mich über die völlig überzogene Reaktion meines Körpers ärgere, verstärkt das den Stress – und damit die Hitzewallungen. 

Doch wie soll man cool bleiben, wenn einem der Schweiß aus allen Poren bricht? Zunächst einmal hilft es sich bewusst zu machen, dass Hitzewallungen zwar lästig, aber weder peinlich noch gefährlich sind. Auf keinen Fall sind sie ein Grund sich zu schämen oder sich zu entschuldigen. Statistisch ist jede fünfte Frau gerade in den Wechseljahren – und für die meisten von ihnen gehören Hitzewallungen einfach zur Normalität. Das mitzubekommen, kann man seinen Mitmenschen durchaus zumuten. 

Der Glut das Feuer nehmen

Und Hitzewallungen gehen vorüber – manchmal schon nach wenigen Sekunden, manchmal dauert es länger. Überleg dir zwei oder drei Strategien, mit denen du sie leichter überstehst: zum Beispiel das Fenster aufmachen, ein oder zwei Schichten Kleidung ablegen, an die frische Luft gehen oder kaltes Wasser über die Unterarme laufen lassen. Gut ist auch ein Cooling-Spray oder ein Fächer in der Handtasche. Nachts hilft es mir aufzustehen, mich kurz abzulenken und dann wieder in das inzwischen abgekühlte Bett zu kuscheln. Eine Atemübung, eine kurze Meditation per App (ich mag z. B. Headspace) oder ein Schlaf-Podcast erleichtern das Abschalten und Wiedereinschlafen. Immer wieder auf dieses „Schema F“ zurückzugreifen, macht den Umgang mit den Hitzeattacken zur Routine und verringert das Stresspotenzial.

Natürlich gibt es einige pflanzliche Mittel, die Linderung bringen können (mehr dazu hier). Auch mit gesunder Ernährung und ausreichend körperlicher Bewegung tragen wir viel dazu bei, dass unser Körper bald wieder sein hormonelles Gleichgewicht findet. Wenn das alles nicht ausreicht, um die Beschwerden in einem erträglichen Ausmaß zu halten, kann man auch noch über eine Therapie mit bioidentischen Hormonen nachdenken. Diese Möglichkeit als letzten Ausweg noch in der Hinterhand zu haben, empfinde ich als beruhigend – auch wenn eine Hormontherapie für mich im Moment nicht in Frage kommt.

Gelassenheit üben

Das Wichtigste aber ist unsere innere Einstellung. Entscheide ich mich gegen eine Hormontherapie, komme ich nicht darum herum, mich mit den körperlichen Folgen der Hormonumstellung auseinanderzusetzen. Immer weiter dagegen anzukämpfen und mich darüber aufzuregen, vermiest mir nur das Leben. Vielleicht gehört auch das zu den Lebensweisheiten, die uns die Wechseljahre schenken: Dinge, die wir nicht ändern können, gelassen anzunehmen. Frieden schließen. Und das Beste daraus zu machen.

Bei wohlwollender Betrachtung können Hitzewallungen nämlich durchaus auch etwas Gutes haben. Zumindest gehören kalte Füße der Vergangenheit an ;-). Aus anthroposophischer Sicht gelten Hitzewallungen als Ausdruck der weiblichen Energie, die nach der Menopause nicht mehr durch die Menstruation verloren geht. Außerdem sind sie ein Zeichen dafür, dass sich in unserem Leben gerade viel verändert – sowohl körperlich als auch psychisch. Und ein Wink mit dem Zaunpfahl, dass wir diese hormonelle Umbruchsphase nutzen sollten, um unser Leben nach unseren Vorstellungen zu gestalten. 

Wegweiser der Veränderung

In diesem Sinne versuche ich, mit meinen Hitzewallungen Frieden zu schließen. Ich übe mich in Nachsicht mit meinem Körper, statt ihn für seine Unzulänglichkeiten zu verdammen. Wenn die Hitzeattacken zunehmen, werte ich das als Hinweis: Läuft etwas falsch in meinem Leben? Mute ich mir mal wieder zu viel zu? Gönne ich mir genügend Auszeiten – für den Körper und die Psyche? So wie mich eine gute Freundin mit der Nase darauf stoßen würde, wenn sie merkt, dass etwas nicht stimmt… Nicht immer angenehm, aber meistens hilfreich.

Vielleicht musst du deine Hitzewallungen nicht lieben. Aber du musst dich lieben – mit deinen Hitzewallungen.

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