Wie Hormone das Brustkrebsrisiko beeinflussen

Einer Hormontherapie in den Wechseljahren stehen viele Frauen kritisch gegenüber. Der häufigste Grund: die Angst vor Brustkrebs. Tatsächlich belegen inzwischen zahlreiche medizinische Studien, dass eine Hormontherapie in den Wechseljahren das Brustkrebsrisiko erhöht. Doch wie groß ist das Risiko wirklich?

Wie stark das Brustkrebsrisiko durch eine Hormontherapie steigt, hängt von vielen unterschiedlichen Faktoren ab: unter anderem von der Länge der Hormontherapie, von den verwendeten Hormonen und vom Körpergewicht der Frau. Bei einer fünfjährigen Hormontherapie erkranken innerhalb von 20 Jahren acht von hundert Frauen an Brustkrebs. Von hundert Frauen ohne Hormontherapie sind es nur sechs. Das errechnete 2019 eine große Studie.

Die Rolle der körpereigenen Östrogene

Aber nicht nur künstliche, von außen zugeführte Hormone steigern das Brustkrebsrisiko. Das Gleiche gilt für die im eigenen Körper produzierten. Frauen, die früh ihre erste Monatsblutung (Menarche) hatten und erst spät in die Wechseljahre gekommen sind – deren Eierstöcke also in besonders vielen Menstruationszyklen Östrogen gebildet haben –, tragen ebenfalls ein höheres Brustkrebsrisiko. Weil auch das Fettgewebe geringe Mengen an Östrogenen produziert, wächst das Brustkrebsrisiko außerdem durch starkes Übergewicht. 

Auf der anderen Seite können Östrogene aber offensichtlich auch vor Brustkrebs schützen. Denn Schwangerschaften – in denen der Körper monatelang große Mengen an Östrogen bildet – senken das Brustkrebsrisiko: Je mehr Kinder eine Frau ausgetragen und je länger sie gestillt hat, desto niedriger ist es. Das Ganze ist also ziemlich komplex – und die Wissenschaft steht noch vor manchem Rätsel.

Der Beitrag der Hormontherapie

Klar ist aber, dass es eine ganze Reihe von Faktoren gibt, die das Brustkrebsrisiko beeinflussen. Und das zum Teil sogar deutlich stärker als die Hormontherapie in den Wechseljahren. Die meisten haben mit unserer Lebensweise und unserer Ernährung zu tun – wir haben sie also selbst in der Hand. Das britische National Institute for Health and Care Excellence (NICE) hat das mal in griffige Zahlen gepackt.

Von 1000 Frauen im Alter von 50 bis 59 Jahren erkranken demnach in den nächsten fünf Jahren an Brustkrebs:

  • 23 Frauen im Bevölkerungsdurchschnitt
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  • drei Frauen mehr, wenn sie rauchen
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  • vier Frauen mehr, wenn sie eine Hormontherapie erhalten 
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  • vier Frauen mehr, wenn sie die Pille nehmen
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  • fünf Frauen mehr, wenn sie regelmäßig Alkohol trinken 
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  • 24 Frauen mehr, wenn sie stark übergewichtig sind (mit einem BMI über 30, das entspricht etwa einem Gewicht von 86 Kilo bei einer Körpergröße von 1,68 Meter)
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  • aber sieben Frauen weniger, wenn sie mindestens zweieinhalb Stunden wöchentlich sportlich aktiv sind.
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Mehrere Studien belegen, dass das Krebsrisiko ganz erheblich von der Länge der Hormontherapie abhängt. Bis zu einem Jahr erhöht sie das Risiko offenbar nicht. Und bei einer mehr als zehnjährigen Behandlung ist es doppelt so hoch wie bei einer fünfjährigen. Nach dem Ende der Hormontherapie sinkt die Gefahr einer Krebserkrankung dann allmählich wieder. Allerdings tauchen die Beschwerden in der Regel auch wieder auf, sobald man die Medikamente absetzt. Ein langsames Ausschleichen der Hormonmenge kann das möglicherweise etwas auffangen.

Sind bio-identische Hormone besser?

Wie sich eine Hormontherapie mit modernen bio-identischen Hormonen auf das Brustkrebsrisiko auswirkt, ist noch nicht ausreichend erforscht. Es gibt aber bislang auch keine Hinweise, dass sie es nicht erhöhen. Dagegen scheint eine Hormontherapie ohne Gestagene (also nur mit Östrogen) das Risiko sogar zu senken. Die können jedoch nur Frauen bekommen, deren Gebärmutter entfernt wurde. Ansonsten klettert die Gefahr, dass sich in der Gebärmutterschleimhaut ein Tumor entwickelt (Endometriumkarzinom). Eine lokale Östrogentherapie gegen Scheidentrockenheit und ihre unangenehmen Begleiterscheinungen erhöht das Krebsrisiko dagegen nicht.

Frauen, die bereits Brust- oder Gebärmutterkrebs hatten, dürfen aus diesen Gründen keine Hormontherapie bekommen (außer niedrig dosierte lokale Anwendungen in der Scheide). Für viele andere kann sie eine effektive Behandlungsmöglichkeit darstellen, die die typischen Wechseljahresbeschwerden wie Hitzewallungen und Co. lindert. Wer sehr darunter leidet, dem kann sie das Leben durchaus erleichtern. 

Es geht auch ohne Hormontherapie

Der Preis dafür ist eine nicht wegzudiskutierende, aber vergleichsweise überschaubare Erhöhung des Brustkrebsrisikos. Ob es ihr das wert ist, muss jede Frau für sich selbst entscheiden – natürlich zusammen mit ihrer Gynäkologin oder ihrem Gynäkologen. Alternativ gibt es auch einige Mittel aus der Naturheilkunde. Ganz so schnell und effektiv wie eine Hormontherapie wirken die in der Regel aber nicht.

Was wir uns jedoch auf keinen Fall einreden lassen sollten: dass wir mit von außen zugeführten Hormonen einen vermeintlichen Mangel ausgleichen müssen. Schließlich sind die Wechseljahre keine Krankheit – wie etwa eine Schilddrüsenunterfunktion mit dem daraus resultierenden Hormonmangel –, sondern eine ganz normale Lebensphase. Auch wenn sie uns körperlich und seelisch manchmal ganz schön mitnehmen.

Meine persönliche Meinung:

Abgesehen von dem höheren Brustkrebsrisiko sprechen aus meiner Sicht noch andere Argumente gegen eine Hormontherapie. Zum einen: Sobald man sie absetzt, fangen die Beschwerden bei den meisten Frauen wieder von vorne an. Lebenslang Hormone einzunehmen, wäre für mich keine Option. Zum anderen greift man mit von außen zugeführten Hormonen nachhaltig in das hormonelle Gleichgewicht des Körpers ein. Das wird zwar durch die Wechseljahre auch ganz schön durcheinander gerüttelt, spielt sich aber danach wieder ein – auf einem niedrigeren Niveau. Erhöht man den Spiegel von Östrogen und Progesteron künstlich, beeinflusst das über die hormonellen Regelkreise viele andere Vorgänge im Körper. Dass das auch negative Auswirkungen haben kann, haben viele Frauen schon erlebt, als sie die Pille genommen haben. Aber wie gesagt: Da hat jede Frau ihre individuelle Sichtweise – und ihre ganz eigene Schmerzgrenze. Und das ist auch gut so. Wichtig ist, dass wir die Fakten kennen und unsere Entscheidung nicht nur anhand von einseitigen Argumenten aus dem einen oder anderen Lager fällen. Die Angst vor Brustkrebs ist nur einer von vielen Aspekten.

Wie stehst du zur Hormontherapie? Schreib gerne in die Kommentare!

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