Ist das nicht großartig? Die Wechseljahre stehen tatsächlich auf der bundespolitischen Agenda! Nachdem sie im aktuellen Koalitionsvertrag erstmals als wichtiger Aspekt der Frauengesundheit genannt wurden, geht es jetzt an die praktische Umsetzung: Am 24.11.2025 lud Bundesgesundheitsministerin Nina Warken zur Auftaktveranstaltung zum „Dialogprozess Wechseljahre“.
Ich durfte dort als Vertreterin der Initiative #wirsind9millionen ein Impulsreferat über „Die Wechseljahre aus der Perspektive von Betroffenen“ halten. Ich habe den überwiegend weiblichen Gästen (von denen sicher einige schon selbst Erfahrungen mit den Wechseljahren hatten) anhand konkreter Beispiele die Probleme vieler „mittelalter“ Frauen geschildert:
- die große Vielfalt unterschiedlicher Wechseljahressymptome
- die mangelnde Aufklärung
- das gesellschaftliche Schweigen
- und die leider oft unzureichende medizinische Versorgung.
Geholfen haben mir dabei die vielen Gespräche, die ich in Zusammenhang mit meinem Blog geführt habe, und die persönlichen Nachrichten und Kommentare, die ihr mir geschickt habt. Dafür bin ich euch sehr dankbar.
Mehr Verständnis und Unterstützung
So viele Frauen erzählen, dass sie von Arzt zu Arzt gelaufen sind, bevor jemand ihre Beschwerden mit den Wechseljahren in Verbindung gebracht hat. Oder dass ihr Arzt gesagt hat: „Das ist alles ganz normal in ihrem Alter, da müssen Sie durch.“ Grrrh! Oder dass er ihnen eine Hormontherapie verschrieben hat, die sie nicht nehmen wollen. Dass es keinerlei Beratung gab. Oder dass die Hormone nicht helfen, weil die Dosierung nicht gepasst hat. Oder oder oder…
Ich hatte den Eindruck, dass im Publikum vielen nicht wirklich bewusst war, mit welchen Problemen Frauen in den Wechseljahren oft zu kämpfen haben: nicht nur mit beschwerlichen Symptomen, sondern auch mit wenig Verständnis und noch weniger Unterstützung.
Auf die aktuelle Versorgungssituation und die mangelnde ärztliche Ausbildung zu den Wechseljahren ging Prof. Dr. med. Mandy Mangler danach noch einmal detailliert ein. Dr. med. Katrin Schaudig, Präsidentin der Deutschen Menopause-Gesellschaft und ebenfalls Mitglied der #wirsind9millionen-Initiative, berichtete von großen Informationsdefiziten sowohl auf Seiten der Patientinnen als auch vieler ärztlicher Fachgruppen. In weiteren Referaten wurden Unterstützungsmöglichkeiten am Arbeitsplatz und die mangelnde Datenlage in Deutschland thematisiert.
Der Auftaktveranstaltung sollen im ersten Halbjahr 2026 weitere Arbeitssitzungen folgen zu den vier Handlungsfeldern Versorgung, Arbeitswelt und betriebliches Gesundheitsmanagement, Information und Aufklärung sowie Forschung und Daten. Ich freue mich sehr, auch in diesen Gesprächen die Sicht der Betroffenen einbringen zu dürfen.
Wir brauchen kompetente medizinische Betreuung!
Im Herbst 2026, rund um den Weltmenopausetag am 18. Oktober, werden die Ergebnisse des Dialogprozesses der Öffentlichkeit präsentiert. Bleibt zu hoffen, dass den Erkenntnissen dann auch Taten folgen – vor allem:
- wirksame Aufklärungskampagnen, z.B. in Form eines Infobriefs an alle Frauen ab 35 Jahren
- mehr Zeit und eine entsprechende ärztliche Honorierung für Wechseljahresberatungen, z.B. ein Wechseljahres-Check-up, wie er in Bayern geplant ist
- bessere ärztliche Ausbildung, nicht nur für Gynäkolog:innen, sondern für alle Fachgruppen, insbesondere Allgemeinmediziner:innen
Ohne die Kampagne #wirsind9millionen, allen voran die Initiatorin Miriam Stein, wären die Wechseljahre sicher nicht so schnell in der Bundespolitik angekommen. Danke an alle, die daran beteiligt waren und sind! Danke auch an die vielen Frauen, die unseren Aufrufen gefolgt sind und die verantwortlichen Politiker:innen per Mail gebeten haben, das Thema auf die politische Agenda zu setzen. Ich finde, wir können alle zusammen stolz darauf sein, was wir erreicht haben.
Foto: BMG/ Jan Pauls






Danke, dass du dich so dafür einsetzt, dass dieses wichtige Thema, das ungefähr die Hälfte der Bevölkerung betrifft, den angemessenen Raum bekommt! Ich bin mal gespannt, wie es der Generation meiner Nichten gehen wird. Auf jeden Fall werden sie nicht so schlecht vorbereitet in die Hormonumstellung reinrauschen wie meine Schwester und ich. Dass sich bisher jede Frau im Prinzip alleine durchwurschteln musste und quasi niemand uns vorher sagt, was für ein Bündel an Symptomen daran hängen kann, ist echt tragisch.
Da hast du absolut recht!
Liebe Grüße, Clara