Wer Pläne macht, lebt länger

Freust du dich aufs Älterwerden? Hast du Ziele? Endlich weniger arbeiten, mehr Zeit für Hobbys haben? Viel reisen, vielleicht noch eine neue Sprache lernen? Das ist schön. Denn dann hast du mehr vom Leben. Du erlebst das Alter nicht als Verlust, sondern als Gewinn – von Lebenszeit und Lebensqualität. (Das zu vermitteln, ist für mich eine ganz wichtige Motivation, diesen Blog zu schreiben.)

Aber es kommt noch besser: Wer Ziele und Pläne fürs Älterwerden hat, lebt auch tatsächlich länger. Im Schnitt ganze 13 Jahre! Das konnten Forscherinnen der Universität Greifswald jetzt durch eine Langzeitstudie belegen. 2400 Menschen gaben im Deutschen Alters-Survey 23 Jahre lang regelmäßig Auskunft über ihre Lebenseinstellung. Zu Beginn waren sie zwischen 40 und 85 Jahre alt. Es stellte sich heraus: Von den Teilnehmenden, die das Alter eher als Verlust wahrnahmen, war ein Viertel nach zehn Jahren verstorben. Diejenigen, die das Altern dagegen als stetigen Entwicklungsprozess begriffen, erreichten diese Sterberate erst nach 23 Jahren. 

Und das lag nicht etwa daran, dass die Frauen und Männer mit einer negativen Sicht auf das Altern von vornherein älter, kränker oder psychisch belastet waren. Solche bereits bekannten Einflussfaktoren auf die Sterblichkeit hatten die Wissenschaftlerinnen bei ihrer Analyse bereits berücksichtigt. Unabhängig von den unterschiedlichen psychologischen und gesundheitlichen Voraussetzungen lebten diejenigen Menschen länger, die das Älterwerden mit einer persönlichen Entwicklung verbanden – die also Pläne für die Zukunft machten, Ideen umsetzten und weiterhin neue Dinge lernen wollten.

Zu alt? Gibt’s nicht!

 „Als Erzfeind des gesunden Alterns entpuppt sich die Einstellung, sich selbst zu beschränken, weil es für diesen Plan oder jene Aktivität vermeintlich schon zu spät sei“, fasste Professorin Susanne Wurm in einer Pressemitteilung der Universität Greifswald die Ergebnisse ihrer Studie zusammen. „Menschen lernen ihr ganzes Leben lang negative Bilder vom Alter und neigen deshalb dazu, diese auf sich selbst anzuwenden, wenn sie dann alt sind. Diese Altersselbstdiskriminierung gilt es zu durchbrechen.“

Dir Bilder, die wir von unserer zweiten Lebenshälfte im Kopf haben, entscheiden also mit darüber, wie alt wir werden. 

Das ist doch mal eine gute Nachricht, finde ich. Denn was wir denken, können wir selbst beeinflussen – viel mehr noch als unsere Gesundheit. Das fängt bei den Wechseljahren an: Nehmen wir sie als Verlust der Jugend und Fruchtbarkeit wahr – oder als den Beginn eines selbstbestimmten Lebens ohne allmonatliche Blutungen, ohne PMS und ohne Verhütung?

Ein Plus an Selbstbestimmung

Was ich persönlich mit dem Älterwerden verbinde: mehr Freiheit, mehr Flexibilität, mehr Zeit, das Leben zu genießen. Wichtiger als konkrete Ziele im Außen finde ich aber innere Werte. Denn: Was tun, wenn die lang ersehnte Weltreise später doch nicht möglich ist – weil finanzielle Probleme, die politische Lage oder körperliche Einschränkungen dazwischenkommen? Entweder versinke ich dann in Depressionen oder ich brauche einen Plan B. Deshalb setzte ich eher auf flexiblere Ziele: Ich will neugierig bleiben, Neues lernen und mich inspirieren lassen – von anderen Menschen, anderen Lebensmodellen und anderen Kulturen. Dazu braucht es nicht notwendigerweise viel Geld und körperliche Unversehrtheit. Auch wenn ich mir natürlich wünsche, bis an mein Lebensende gesund und fit zu bleiben. Aber das gehört leider zu den Dingen, die wir nicht zu 100 Prozent selbst im Griff haben. Das Leben trotz möglicher Einschränkungen im Alter zu genießen, schon.

Was hast du dir für die Zukunft vorgenommen?

6 Gedanken zu „Wer Pläne macht, lebt länger“

  1. Liebe Clara,

    ich finde sowohl deinen Bericht als auch den Kommentar von Heike ähnlich meinem Empfinden. Auch bei meinen Eltern gibt/gab es Verhaltensweisen, die ich nicht wiederholen möchte und bisher (57 Jahre alt) auch nicht mache: Sie hatten/haben sehr wenig soziale Kontakte und kaum Bewegung (wobei mein Vater, hätte er gekonnt, dies sehr gern getan hätte).
    Ich hadere zur Zeit zwar gerade an meinen seit ca. 1 Jahr vorhandenen extremeren körperlichen Beschwerden (Arthrose, Entzündung Hüften, Rücken), versuche jedoch mit Bewegung und Humor dagegen anzugehen. Ebenso gestatte ich es mir mittlerweile, dass es in Ordnung ist, wenn ich zwischendurch damit hadere. Ich weiß, dass es kurze Momente sind. Meine vielen sozialen Kontakte, meine Familie und vor allem ich selber schaffe es mit viel Humor und Bewegung das Beste daraus zu machen!!!!
    Clara, danke für deinen Blog! Ich bin durch Zufall vor einem Jahr darauf gestoßen, finde ihn sehr gut und tröstlich. Es geht uns allen doch sehr ähnlich!
    Liebe sonnige Grüße Silke

    Antworten
    • Liebe Silke, vielen Dank für deinen Kommentar! Deine Worte machen mir und anderen Frauen viel Mut. Leider ist es nicht jeder von uns gegeben, ihr Leben lang gesund, fit und völlig beschwerdefrei zu bleiben. Umso wichtiger ist es, auch die persönlichen Einschränkungen zu akzeptieren und das Beste daraus zu machen. Toll, dass du gelernt hast, mit deinen Schmerzen so gut umzugehen! Und natürlich ist es nur allzu verständlich, dass man ab und zu auch daran verzweifelt. Ich wünsche dir weiterhin alles erdenklich Gute!
      Liebe Grüße, Clara

      Antworten
  2. Bingo. Meine Chorleiterin ist mein Vorbild. Sie hüpft jeden Morgen in ihren Pool, hat viele Hobbys, kümmert sich um andere und ist frisch verliebt. Sie hat noch jede Menge Pläne und macht sich übers älter werden gar keine Gedanken. Und das mit 70. Danke für den tollen Beitrag.

    Antworten
    • Klingt cool 😎. Ungefähr so stelle ich mir mein Leben in 20 Jahren auch vor. Den Pool ersetze ich durch den nahegelegenen See (im Sommer).
      Liebe Grüße, Clara

      Antworten
  3. Hallo Clara,
    vielen Dank für diesen inspirierenden Beitrag. Ich stimme dir völlig zu.
    Meine Eltern sind mit Beginn der Rente vor dem Fernseher versackt. Diese Zeit möchte ich (50 Jahre alt) so nicht erleben. Als ich Mutter wurde, lernte ich eine etwas ältere Frau kennen, die fit war, ins Fitnessstudio ging, im Chor sang und einer anderen älteren Frau im Altenheim Suppe kochte, um nur einige ihrer Tätigkeiten zu nennen. Ihr Lächeln versprühte Lebenslust und die Falten standen ihr gut. Diese Frau ist nun mein Vorbild für das Altern (und die Rente, zu der es noch etwas hin ist). Vielleicht hilft es auch anderen, sich ein solches Vorbild zu suchen, um dann den eigenen Weg zu gehen.
    Viele liebe Grüße,
    Heike

    Antworten
    • Liebe Heike, das sehe ich genauso wie du. Ich finde es ganz wichtig, Vorbilder zu haben, die uns ein positives Bild vom Älterwerden vermitteln. Leider finden wir die nicht immer in der eigenen Familie. Vielen lieben Dank für deine Anregung!
      Liebe Grüße, Clara

      Antworten

Schreibe einen Kommentar