Was sind bioidentische Hormone?

Viele Frauen stehen einer Hormontherapie in den Wechseljahren skeptisch gegenüber. Nicht ganz zu unrecht: Von außen zugeführte Hormone lindern zwar nachweislich Hitzewallungen und andere lästige Symptome. Ganz frei von Nebenwirkungen sind sie aber nicht. Und sie erhöhen das Risiko, an Brustkrebs zu erkranken – auch wenn der Effekt geringer ist, als die meisten glauben (mehr dazu hier). Die bioidentische Hormonersatztherapie (abgekürzt HET oder HRT) wird oft als verträglichere und „natürlichere“ Alternative gepriesen. 

Als bioidentisch oder naturidentisch bezeichnet man Hormonpräparate, die die gleiche Molekülstruktur besitzen wie die im menschlichen Körper produzierten Hormone. Im Falle einer Hormontherapie gegen Wechseljahresbeschwerden sind das 17-beta-Estradiol, auch einfach Östradiol genannt, und Progesteron. Viele ältere Hormontabletten enthalten dagegen synthetische Hormone. Die ähneln den körpereigenen zwar, sind aber eben nicht identisch. Anders als beispielsweise in den USA setzen Ärztinnen und Ärzte in Deutschland für die HRT aber bereits seit vielen Jahren vorwiegend bioidentisches Östrogen ein. Bioidentisches Progesteron gibt es noch nicht ganz so lange, hat aber bei Wechseljahresbeschwerden mittlerweile ebenfalls seine synthetischen Verwandten überholt.

Pflanzlicher Ursprung

Hergestellt werden die bioidentischen Hormone Östradiol und Progesteron aus pflanzlichen Grundstoffen – auch das trägt zu ihrem guten Ruf bei. Als wichtigster Ausgangsstoff für die pharmakologische Herstellung dient die Substanz Diosgenin, die sich in größeren Mengen in der Yamswurzel findet. Auch Stigmasterin aus der Sojabohne kommt zum Einsatz. 

Bioidentische Hormone können jedoch im Prinzip die gleichen Nebenwirkungen haben wie synthetische. Dazu gehören zum Beispiel Wassereinlagerungen im Gewebe (Ödeme) und Stimmungsschwankungen. Denn: Sowohl die erwünschten als auch unerwünschten Effekte der Hormontherapie beruhen auf der Bindung an dieselben Hormonrezeptoren im Körper. Weil sie nicht ganz so spezifisch an die Bindungsstelle passen, wirken synthetische Hormone potenziell Dass bioidentische Hormone prinzipiell nebenwirkungsärmer sind, dafür existieren kaum wissenschaftliche Belege. Das Brustkrebsrisiko steigern sie nach allem, was bislang bekannt ist, möglicherweise in etwas geringerem Maß als ältere Präparate der klassischen Hormonersatztherapie. Allerdings gibt es bislang noch nicht ausreichend viele und große Studien mit bioidentischen Hormonen, um das zweifelsfrei nachzuweisen.

Vorteil: Bioidentische Hormone gehen durch die Haut

Ein Unterschied steht aber fest: Die Wirkstoffaufnahme über die Haut (transdermal) ist nachweislich der nebenwirkungsärmere Weg. Denn diese Form der Hormontherapie belastet den Stoffwechsel, insbesondere die Leber, deutlich weniger als die Einnahme von Tabletten. Das Risiko für Thrombosen, Herzinfarkte und Schlaganfälle ist dadurch erheblich niedriger. Zudem sind in der Regel geringere Hormonmengen notwendig. Und weil bioidentisches Östrogen – anders als seine synthetischen Verwandten – meist als Pflaster oder Gel eingesetzt wird, ist es dann eben doch von Vorteil. Für Progesteron gilt das leider nicht: Hier reicht die Aufnahme über die Haut nicht aus, um eine übermäßige Wucherung der Gebärmutterschleimhaut – und damit ein erhöhtes Risiko für ein Endometriumkarzinom – durch das Östrogen zu verhindern. Wer noch eine Gebärmutter hat, muss Progesteron deshalb auch bei einer bioidentischen HRT als Kapsel schlucken.

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