Hitzewallungen: Was bringt die neue Therapie ohne Hormone? 

Eine Hormontherapie kann Hitzewallungen und andere unangenehme Wechseljahresbeschwerden wirkungsvoll lindern. Aber: Bei etwa zehn Prozent aller Betroffenen kommt sie nicht in Betracht – zum Beispiel nach einer Brustkrebserkrankung. Oft leiden gerade Krebspatientinnen während und nach der Tumortherapie besonders stark unter Hitzewallungen. Einige Frauen lehnen eine Hormontherapie auch ab, weil sie Angst vor Brustkrebs haben (ob das gerechtfertigt ist, kannst du hier nachlesen). Pflanzenpräparate können eine Alternative sein – zeigen aber leider nicht immer die erhoffte Wirkung. Jetzt gibt es ein hormonfreies Medikament zur Behandlung von Hitzewallungen: der Wirkstoff Fezolinetant (Markenname Veoza™). Im Dezember 2023 wurde er in der EU (und damit in Deutschland) zugelassen; ab Februar 2024 soll er auf Kassenrezept erhältlich sein.

Wie wirkt Fezolinetant/ Veoza?

Fezolinetant wirkt nicht auf das Hormonsystem, sondern auf die Nervenbahnen, die für die Temperaturregulation im Gehirn verantwortlich sind. Diese Neuronen werden durch Östrogen gehemmt; dessen natürlicher Gegenspieler, der Transmitter Neurokinin-B, aktiviert sie. Sinkt der Östrogenspiegel in den Wechseljahren, kann es zu einer Übermacht von Neurokinin-B kommen. Das führt dazu, dass das Temperaturzentrum unkontrolliert angefeuert wird und den Körper mit Hitzewellen flutet. Sowohl Östrogen als auch Neurokinin-B brauchen spezifische Rezeptoren an den Nervenzellen, um sie beeinflussen zu können. Und genau hier setzt der neue Wirkstoff an: Fezolinetant besetzt die Andockstellen von Neurokinin-B und blockiert so dessen Wirkung.

In den Zulassungsstudien konnte Fezolinetant die Häufigkeit von Hitzewallungen um 60 bis 65 Prozent reduzieren. Das liegt im Bereich dessen, was auch eine Hormontherapie schafft. Im Vergleich zum Plazebomedikament, das immerhin auch eine Verringerung um bis zu 45 Prozent erzielte, wirkte das neue hormonfreie Mittel signifikant besser. Auch die Schwere der Hitzewallungen ging zurück.

Welche Nebenwirkungen hat Fezolinetant/ Veoza?

In den Zulassungsstudien nahmen rund 1000 Frauen das Medikament bis zu einem Jahr lang ein. Die häufigsten Nebenwirkungen, die sich dabei zeigten, waren Durchfall und Schlaflosigkeit. Beide betrafen jeweils etwa eine von 30 Patientinnen. Weil in den Wechseljahren ohnehin viele Frauen an Schlafstörungen leiden, könnte das ein Problem darstellen. Auch eine Erhöhung der Leberwerte beobachteten die Untersuchenden relativ häufig. Meist normalisierten sich diese im weiteren Verlauf der Behandlung wieder; nur in sehr seltenen Fällen musste sie deshalb abgebrochen werden. Die Hormonspiegel beeinflusste Fezolinetant nicht. Auch Wucherungen der Gebärmutterschleimhaut löste es nicht aus.

Für wen eignet sich das hormonfreie Mittel gegen Hitzewallungen?

Fezolinetant ist zugelassen zur Behandlung von mittelschweren bis schweren Hitzewallungen in den Wechseljahren. Damit ist es die erste medikamentöse Alternative zur Hormontherapie mit nachgewiesener Wirksamkeit. Die nichthormonelle Behandlung eignet sich vor allem für Frauen, die wegen einer Vorerkrankung keine Hormone nehmen können. Dazu gehören Brustkrebs, Gebärmutterschleimhautkrebs oder Eierstockkrebs, aber auch Blutgerinnungsstörungen. 

Allerdings räumt der Hersteller Astellas Pharma ein, dass ausgerechnet solche Patientinnen bisher gar nicht in Studien einbezogen wurden. Wie sich die Behandlung bei ihnen auswirkt, ist also noch nicht untersucht. Das Pharmaunternehmen rät deshalb zu einer individuellen Nutzen-Risiko-Abwägung. Dass es bei ihnen mehr Nebenwirkungen gibt, ist nach dem bisherigen Kenntnisstand aber nicht zu erwarten. Gleiches gilt für über 65-Jährige.

Wer einer Hormontherapie aus persönlichen Gründen skeptisch gegenübersteht, gibt der hormonfreien Alternative möglicherweise den Vorzug. Bedenken sollte man dabei aber, dass auch Fezolinetant unerwünschte Wirkungen haben kann. Anders als bei der Hormontherapie, die seit Jahrzehnten eingesetzt wird und sich seither deutlich verbessert hat, gibt es mit dem nichthormonellen Medikament bisher kaum Erfahrungswerte. Und schon gar keine Langzeitstudien.

Wann ist Fezolinetant/ Veoza keine Option?

Solange eine Krebstherapie gegen einen hormonabhängigen Tumor noch nicht abgeschlossen ist, rät der Hersteller vom Einsatz des Arzneimittels ab.

Für Frauen, die aufgrund einer schweren Leberfunktionsstörung keine Hormontherapie bekommen können, ist Fezolinetant leider keine Alternative: Das zählt, ebenso wie eine ausgeprägte Nierenschwäche, zu den Kontraindikationen. Auch Frauen, die ein bestimmtes Medikament gegen Depressionen einnehmen (Fluvoxacin, z.B. Fevarin®), dürfen Fezolinetant nicht erhalten.

Wenn nicht Hitzewallungen, sondern andere Wechseljahresbeschwerden im Vordergrund stehen – etwa Stimmungsschwankungen, Antriebslosigkeit, Konzentrationsprobleme oder Gelenkschmerzen –, bringt das neue Medikament mutmaßlich nichts. Vor Osteoporose schützt es ebenfalls nicht. Hier ist die Hormontherapie klar im Vorteil. Bei Schlafproblemen könnte Fezolinetant sogar einen negativen Effekt haben.

Wie komme ich an das neue Medikament?

Fezolinetant ist verschreibungspflichtig und laut Astellas Pharma in Deutschland ab 1. Februar erhältlich. Wenn du unter starken Hitzewallungen leidest und keine Hormone nehmen willst oder kannst, musst du deinen Arzt also „nur“ davon überzeugen, dass er dir die hormonfreien Tabletten verordnet (sofern aus medizinischer Sicht nichts dagegen spricht). Was unter Umständen schwer werden könnte. Denn: Handlungsempfehlungen zum Umgang mit dem neuen Arzneimittel gibt es bislang noch nicht. Bis es die hormonfreie Therapie in die ärztlichen Leitlinien schafft, dürften noch Jahre vergehen. In den USA, wo Fezolinetant seit Mai 2023 verfügbar ist, läuft die Verordnung bisher eher schleppend.

Sind weitere hormonfreie Behandlungsmöglichkeiten in Sicht?

Ein weiterer Wirkstoff mit einer ähnlichen Funktionsweise durchläuft gerade die Zulassungsstudien: Elinzanetant von der Firma Bayer. Anders als Fezolinetant wird es auch bei Brustkrebspatientinnen getestet. Und es gibt Hinweise, dass es möglicherweise auch bei wechseljahresbedingten Schlafstörungen helfen könnte.

Aber auch ganz ohne Medikamente kannst du einiges gegen Hitzewallungen und andere Wechseljahresbeschwerden unternehmen: Eine gesunde, hauptsächlich pflanzenbasierte Ernährung, Sport und Stressmanagement helfen nachweislich ebenfalls. Ist ein bisschen aufwändiger und wirkt nicht über Nacht – hat aber dafür ganz viele positive „Nebenwirkungen“ 😉

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