Nein, ich werde nicht von der Pharmaindustrie gesponsert. Ich will hier auch nicht die Hormontherapie schönreden. Sie pauschal zu verteufeln, hilft aber auch nicht weiter. Wer unter starken Wechseljahresbeschwerden leidet, dem kann eine Hormontherapie das Leben unter Umständen sehr erleichtern.
Wichtig ist, dass ihr die Facts kennt, um für euch selbst das Für und Wider einer Hormontherapie abzuwägen.
Weniger Hitzewallungen…
- Zahlreiche Studien belegen, dass eine Hormontherapie in den Wechseljahren die Symptome lindern kann: Die Häufigkeit von Hitzewallungen wird im Schnitt um drei Viertel verringert.
- Auch andere Wechseljahresbeschwerden können sich bessern, etwa depressive Verstimmungen, Schlafstörungen oder Scheidentrockenheit.
- Eine Hormontherapie in den Wechseljahren senkt das Risiko von Osteoporose und dadurch bedingten Knochenbrüchen.
- Frauen, deren Gebärmutter nicht entfernt wurde, müssen zusätzlich zum Östrogen immer auch Gestagene (Gelbkörperhormone) nehmen. Ansonsten ist das Risiko einer Krebsentstehung in der Gebärmutterschleimhaut zu hoch.
- Zu den unerwünschten Begleiterscheinungen einer Hormontherapie gehören Brustspannen, Ödeme (Wassereinlagerungen im Gewebe), Gelenkschmerzen und psychische Symptome.
… aber höheres Brustkrebsrisiko
- Nach jahrelangem Hin und Her um das richtige Timing und die Dauer einer Hormonersatztherapie belegte 2019 eine große Studie mit fast 570.000 Frauen: Jede Hormontherapie in den Wechseljahren erhöht das Brustkrebsrisiko.
- Von 100 Frauen, die fünf Jahre lang aufgrund ihrer Wechseljahresbeschwerden Hormone nehmen, bekommen etwa acht innerhalb von 20 Jahren Brustkrebs. Von gleichvielen Frauen ohne Hormontherapie sind es nur sechs – also zwei weniger.
- Weniger zusätzliche Brustkrebsfälle durch eine Hormontherapie fanden sich bei Frauen, die stark übergewichtig waren.
- Bei einer nur ein- bis vierjährigen Therapie stieg das Risiko weniger stark.
- Eine Therapiedauer von bis zu einem Jahr war mit keiner Risikoerhöhung verbunden.
- Bei einer mehr als zehnjährigen Hormongabe war es etwa doppelt so hoch wie bei einer fünfjährigen.
- Eine große Beobachtungsstudie zeigte: Eine weniger als fünf Jahre dauernde Hormontherapie hatte langfristig keinen Einfluss auf das Sterberisiko.
- Auch nach Ende der Hormontherapie bleibt das höhere Risiko nach einer langen Hormontherapie viele Jahre erhalten.
- Bei Frauen, deren Gebärmutter operativ entfernt wurde und die nur Östrogene einnahmen (ohne Gelbkörperhormon), stieg das Brustkrebsrisiko nicht. In einer großen randomisierten Studie sank es sogar.
Gibt es Unterschiede bei den Therapieformen?
- Der erhöhte Brustkrebsrisiko war unabhängig von der Art des verwendeten Östrogens und der Art der Anwendung als Tablette (oral) oder Pflaster (transdermal). Auch die Gestagenkomponente hatte keinen wesentlichen Einfluss; lediglich Kombinationen mit dem synthetischen Gelbkörperhormon Dydrogesteron zeigten im Vergleich ein etwas geringeres Risiko.
- Für bioidentische Hormone liegen bislang noch zu wenige Studien vor.
- Die Anwendung von Östrogencremes in der Scheide gegen Scheidentrockenheit und Beschwerden beim Geschlechtsverkehr erhöhte das Brustkrebsrisiko dagegen nicht.
- Östrogencremes für die Scheide können auch Probleme mit unwillkürlichem Harnabgang (Inkontinenz) verbessern.
- Eine systemische Hormontherapie (durch Tabletten oder Hautpflaster) kann eine bestehende Inkontinenz dagegen verstärken.
- Frauen, die Brustkrebs hatten oder haben, dürfen keine Östrogene einnehmen. Niedrigdosierte Östrogencremes sind den bisherigen Studien zufolge auch nach einer Brustkrebserkrankung einsetzbar.
- Die orale Hormonersatztherapie (durch Tabletten) erhöht das Risiko für Thrombosen, Herzinfarkte und Schlaganfälle. Das gilt besonders dann, wenn zusätzliche Risikofaktoren vorliegen – wie etwa Rauchen, Übergewicht oder eine familiäre Veranlagung. Eine transdermale Hormontherapie (durch Pflaster) steigert das Risiko nach bisherigem Kenntnisstand aber nicht.
- Nach jeder Hormontherapie können die Beschwerden nach dem Absetzen wieder auftreten.
Fazit: Wenn Hormone, dann so niedrig dosiert und so kurz wie möglich – und lieber als Gel oder Pflaster als in Tablettenform.
Hallo, ein wichtiges Thema! Umso wichtiger ist korrekte Information😊
Die erwähnte Studie aus 2019 ist eine Meta-Analyse von 58 Studien zum Thema Brustkrebs und Hormone. Darin enthalten die WHI 1 Studie aus den 90 er Jahren mit Pferdeöstrogen.
Die allermeisten Studien und verfügbaren Zahlen aus Studien basieren auf der Arbeit mit den Pferde-Östrogenen. Die Autoren der Metastudie aus 2019 schreiben, dass die Art des Progesterons, ob bioidentisch oder nicht – keinen Unterschied macht, zitieren aber gleichzeitig eine Studie, in der das bioidentische Progesteron eben kein erhöhtes Risiko für Brustkrebs zeigt. Also widersprechen sie sich in der eigene Aussage.
Die bioidenten Hormone sind von ihrer molekularen Struktur 1:1 identisch mit unseren körpereigenen. Sie werden auch genau so abgebaut, wie körpereigene und diese Abbauprodukte sind für unseren Körper ebenfalls wichtig.
Daher möchte ich die Aussage, das Brustkrebsrisiko war unabhängig von der Art des verwendeten Östrogens erhöht, so nicht stehen lassen. Ebenso, wie Brustkrebs nicht gleich Brustkrebs ist, aber das sprengt hier den Rahmen – ich hatte selbst TNBC 😅.
Empfehle die Bücher Woman on Fire und Heilen mit bioidentischen Hormonen.
Danke für den aufklärenden Beitrag. Es ist so wichtig, mehr Bewusstheit zu schaffen! Liebe Grüße Katharina
Liebe Katharina, vielen Dank für deine Ergänzungen. Tatsächlich gibt es Hinweise, dass bioidentisches Progesteron das Brustkrebsrisiko weniger stark erhöht – aber noch nicht ausreichend Daten aus hochwertigen Studien. Zum Östrogen muss man hinzufügen, dass auch das körpereigene Östradiol das Brustkrebsrisiko erhöht, zum Beispiel bei Frauen, die eine spätere Menopause haben. Ich finde, man muss auf dem Boden der wissenschaftlichen Evidenz bleiben. Aber auch bedenken, dass es andere beeinflussbare Faktoren gibt, die das Brustkrebsrisiko viel stärker erhöhen, wie Rauchen oder Übergewicht.
Liebe Grüße, Clara