Mit einem Lachen durch die Wechseljahre

Ein bisschen komisch ist die Situation schon. Neun Frauen und Männer unterschiedlichsten Alters treffen sich am Bildschirm, um gemeinsam zu lachen. Will ich das? Kann ich das? Auf Befehl lachen – geht das überhaupt? So richtig wohl fühle ich mich bei meiner ersten Online-Lachyoga-Stunde anfangs nicht.

Nach den ersten Atem- und Einstimmungsübungen fange ich langsam an mich zu entspannen. Die Atmosphäre ist zwanglos, die anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmer wirken allesamt sehr sympathisch. Niemand scheint von mir zu erwarten, dass ich gleich aus vollem Halse losgackere. Und je mehr ich mich darauf einlasse, umso mehr Spaß habe ich daran. Nach einer Dreiviertelstunde schmerzen mir tatsächlich die Wangen vor Lachen. Als ich den Laptop wieder zuklappe, merke ich: Der Arbeitsstress ist verschwunden, ich bin gut gelaunt, entspannt und voller Energie. Selbst meine Rückenschmerzen sind deutlich weniger geworden.

Lachen mindert Stress

Für Lachtrainerin Ute Liebhard ist das nichts Neues: „Beim Lachen werden körpereigene Opiate freigesetzt, dadurch können selbst chronische Schmerzen nachlassen“, erklärt sie. Das Stresslevel sinkt, weil wir für einen Moment Abstand von unseren Sorgen bekommen. „Während wir lachen, können wir nicht denken. Das wirkt wie eine kleine Sofortmeditation, wie Urlaub für den Kopf.“ 

Ute habe ich kennengelernt, als ich für einen Bericht zum Weltlachtag im Mai recherchiert habe. Sie ist Heilpädagogin, Stressmanagement-Trainerin, Resilienzberaterin, Lachtherapeutin und Vorstandsmitglied im Europäischen Berufsverband für Lachyoga und Humortraining. Die 58-Jährige beeindruckte mich bei unserem ersten Gespräch nicht nur durch ihre positive Ausstrahlung. Besonders im Gedächtnis blieb mir ihr Satz: „Meine Wechseljahre hab ich einfach weggelacht.“

Positive Energie gegen Hitzewallungen

Wie soll das funktionieren? „Das Lachen schenkt uns eine andere, positive Energie, wie wir mit Belastungen klarkommen“, erläutert Ute. Natürlich habe sie auch Hitzewallungen gehabt. „Aber es macht einen Unterschied, ob ich ein Drama daraus mache oder ob ich sie mit einem Lachen annehme.“ Das Lachen habe ihr geholfen, souveräner mit der Situation umzugehen und sich selbst so zu akzeptieren, wie sie sei. Außerdem sei sie durch das Lachyoga-Training gewohnt, ihre Komfortzone zu erweitern und peinliche Situationen auszuhalten – „egal, was andere denken“.

Lachen ist die beste Medizin, sagt man. Das gilt nicht nur, aber eben auch für die Wechseljahre. Gelotologie heißt die Wissenschaft, die sich mit den körperlichen und psychischen Auswirkungen des Lachens beschäftigt. Schon in den 1960er-Jahren haben Forscher herausgefunden, dass Lachen das Immunsystem anregt. Bereits nach wenigen Minuten ist die vermehrte Produktion von Abwehrstoffen im Blut nachweisbar.

Lachen vertieft die Atmung und sorgt so für eine Sauerstoffdusche für das Gehirn und den ganzen Körper. Die Bildung der Stresshormone Cortisol und Adrenalin fährt zurück. Gleichzeitig werden beim Lachen Entspannungs- und Glückshormone (Endorphine) ausgeschüttet. Dadurch steigt die Laune innerhalb von Minuten. Stresserscheinungen wie Verspannungen oder Kopfschmerzen lassen nach, die Schlafqualität steigt. Tatsächlich habe ich nach meiner Lachyoga-Premiere ungewöhnlich gut geschlafen.

Lachen statt jammern

Was in den Wechseljahren noch wichtig ist: „Lachen stärkt die Resilienz, also die psychische Widerstandskraft, mit der man Krisen besser bewältigt“, weiß Ute. „Durch Lachen trainieren wir Optimismus – das ist ein wichtiger Resilienzfaktor. Indem wir entscheiden, wie wir auf eine Situation reagieren – mit einem Lachen oder mit Schimpfen und Jammern –, übernehmen wir Verantwortung für unsere Stimmung und handeln selbstwirksam.“ Auch das steigere die Resilienz. 

Wenn uns in einer schwierigen Phase nun aber eher zum Heulen als zum Lachen ist? „Einfach die Mundwinkel Richtung Ohren ziehen“, rät Ute. „Der Körper kennt keinen Unterschied, ob wir einen Grund zum Lachen haben oder es willentlich herbeiführen.“ So funktioniert auch Lachyoga: Das angeleitete Lachen wird im von Übung zu Übung immer mehr zu einem befreiten, echten Lachen. „Wir simulieren, um zu stimulieren“, so die Lachtrainerin. Mit Körperpositionen (Asanas), die wir landläufig mit Yoga verbinden, hat das übrigens wenig zu tun. „Es geht mehr um den Aspekt der Atemübungen und um die Einheit von Körper, Geist und Seele“, meint Ute.

Sich selbst ein Lächeln schenken

Man muss aber nicht unbedingt Lachyoga trainieren. Auch im Alltag können wir die positiven Effekte des Lachens nutzen. Utes Tipp: „Schenk dir selber morgens im Bett ein erstes Lächeln, noch bevor du die Augen aufmachst. Und lach dich jedes Mal freundlich an, wenn du in den Spiegel schaust. Das ist herausfordernd, aber unglaublich effektiv.“

Das will ich probieren. Dem Alltagsstress und den Hitzewallungen öfter mal ein Lachen entgegenzusetzen, kann nicht schaden. Und ich freue mich schon auf meine nächste Lachyoga-Stunde.

Mehr Infos zum Lachyoga-Training findest du auf Utes Webseite.

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