Lebst du das Leben, das du leben willst?

Lebe deine Träume. Das klingt schön – und erstrebenswert. Setzt aber voraus, dass man Träume hat. Und dass diese Träume dem Leben standhalten. Wie viele Menschen träumen von einem Leben im Süden, am Strand, in der Sonne. Und wie viele von denen, die tatsächlich in ihr Traumland auswandern, kehren irgendwann reumütig zurück…

„Träumst du noch dein Leben oder lebst du schon deinen Traum?“ ist der Titel einer Blogparade von Lemondays, dem Online-Magazin für Frauen in den Wechseljahren. Ein Thema, das meine Gedanken spontan zum Sprudeln brachte. 

Denn die Wechseljahre sind für viele Frauen ein Anlass, das eigene Leben einer kritischen Prüfung zu unterziehen. Nach vielen Jahren, in denen wir uns vor allem um andere gekümmert haben – um die Kinder, die Partnerschaft, die Karriere –, erleben wir die Wechseljahre als Wendepunkt: Jetzt sind wir endlich mal selbst an der Reihe. Nicht selten zwingen uns auch Beschwerden wie Schlafstörungen, anhaltende Erschöpfung und nachlassende Belastbarkeit dazu, uns mehr mit uns selbst zu beschäftigen: Was brauchen wir, damit es uns gut geht? Woraus schöpfen wir Kraft? Passt unser Leben überhaupt noch zu uns?

Unsere Träume können uns helfen, das herauszufinden. Wovon habe ich als Kind geträumt? Was wollte ich in meinem Leben unbedingt erreichen? Habe ich das geschafft? Oder kann ich es jetzt endlich angehen?

Träume können platzen

Manchmal stellt sich aber heraus, dass Träume doch nur Schäume sind. Der Traum von einer steilen Karriere, von Erfolg im Job und finanzieller Freiheit: entpuppt sich nach Jahren als unerträglicher Stress und erbarmungsloser Machtkampf. Der Traum von der glücklichen Familie: geplatzt, weil zwei Menschen ihre Vorstellungen und Bedürfnisse nicht unter einen Hut bringen konnten. Und manchmal verändern sich Träume: Stand noch vor ein paar Jahren die berufliche Anerkennung im Vordergrund, ist heute vielleicht eher die „Work-Life-Balance“ wichtiger. Dann ist es höchste Zeit nachzujustieren.

Doch was, wenn man gar keine Träume hat? Oder sie im Lauf der Jahre verlorengegangen sind? Vielleicht haben wir uns das Träumen auch einfach abgewöhnt … ernüchtert und frustriert davon, dass in unserem Leben kein Platz für Träume zu sein scheint.

Was macht mich glücklich?

Vielleicht brauchen wir gar nicht unbedingt Träume. Wichtiger finde ich, dass wir uns bewusst werden, was unsere innersten Werte und Ziele sind. Was hat für mich wirklich eine Bedeutung, wofür brenne ich? Und auch: Was lässt mein Herz höherschlagen, was macht mich glücklich? Das können kleine Dinge sein, die uns Freude bereiten – ein Hobby, ein Haustier, kreative Beschäftigung oder Sport. Aber auch ganz elementare Bedürfnisse: zum Beispiel, dass ich ernstgenommen und respektvoll behandelt werde. Ehrlichkeit, ein wertschätzender Umgang mit anderen Menschen, Freundschaften, Familie, Zeit für mich, Kunst und Kultur, Nachhaltigkeit, Naturverbundenheit – all das sind Werte, die in meinem Leben eine große Rolle spielen.

Den eigenen Wünschen und Bedürfnissen auf den Grund zu gehen, ist keine leichte Aufgabe. Oft ist es einfacher, sich zunächst zu überlegen: Was will ich nicht? Den Weg dahin zeigt uns oft unsere Wut. Ich habe es satt, nur Putzfrau und Mutter zu sein, ich will mich nicht mehr jeden Tag im Job langweilen, ich kann meinen Chef nicht mehr sehen…

Das ist ein erster Schritt – hilft aber noch nicht so viel. Um das Leben zu führen, das zu mir passt, muss ich noch wissen, was genau ich will. Da können unsere Träume wieder ins Spiel kommen. Wie stelle ich mir meinen Traumjob, mein Traumleben vor? Womit möchte ich mich beschäftigen? Und dann: Ausprobieren, was mir gefallen könnte. Auch Sachen, die mir bis dato völlig fremd waren. Denn woher soll ich wissen, dass Stricken/ Fallschirmfliegen/ Hochgebirgstrekking meine große Leidenschaft ist, wenn ich es noch nie gemacht habe?

Der Sterbebett-Test

Ich finde, bei Träumen muss man unterscheiden: Was davon muss ich verwirklichen, weil es mir dann besser geht – und was darf ein Traum bleiben? Mir hilft dabei die Vorstellung, wie ich in meinem Sterbebett darüber denken würde. Was ich dann bereue, nicht getan zu haben, muss ich umsetzen – und zwar möglichst schnell. Alles andere ist „nice to have“, aber für mein Lebensglück nicht zwingend notwendig.

Schließlich muss man ja auch noch Träume haben – wie langweilig wäre sonst das Leben.

Von den Träumen, die ich als Kind hatte, haben sich eigentlich fast alle erfüllt: Ich bin Journalistin geworden, habe zwei tolle Kinder (auch wenn die Ehe schiefging) und konnte mir irgendwann auch das Pferd leisten, was ich mir seit frühester Jugend gewünscht hatte. Einen Traum habe ich aber noch. Ich möchte unbedingt einmal auf die Cook-Inseln im Südpazifik reisen. Mal schauen, ob das noch klappt. Bis dahin träume ich weiter.

Und das sind die anderen Beiträge zur Blogparade:

Dein Traumleben? Ist wahrscheinlich unter all dem Kram versteckt“ von Birte Peters
Wo sind meine Träume hin?“ von Sabine Scholze
Lebensträume – so kannst du sie verwirklichen“ von Alexandra Cordes-Guth
Dieses Abenteuer bin ICH!“ von Hildegard Aman-Habacht
Träumst du noch oder lebst du schon?“ von Sandra Weber
Ich habe keinen Traum“ von Korina Dielschneider
Podcastfolge #22 im MENO COOL Podcast von Petra Orzech
Podcast „Die Kraft der Träume“ von Ann-Katrin Kossendey-Koch
Jetzt erst recht“ von Anja Legero
Träume verwirklichen – leicht gemacht“ von Nicky
Tun was Du liebst: Ein Traum?“ von Inge Schumacher
Mein Leben muss nur mir gefallen“ von Verena Schmalz
Raumschiff „Wechseljahre“ – die aufregende Reise zu unseren Träumen“ von Dr. Heike Franz
Ich bin zu alt um neu durchzustarten. Ein S**** Argument, um Deinen Träumen nicht zu folgen“ von Iris Wangermann
Was ist es, was du wirklich, wirklich willst?“ von Heike Metzmeier-Specht
Träumst du noch oder lebst du schon?“ von Ursula Gaisa
Möchtest du deine eigenen Träume leben oder bist du zufrieden damit, das Leben zu führen, das andere für dich bestimmen?“ von Irene Fellner
Lebensträume: Freiheit über Erfolg“ von Claudia Münster

4 Gedanken zu „Lebst du das Leben, das du leben willst?“

  1. Danke für den tollen Text. Ja, es ist nicht immer ganz leicht, herauszufinden, was man sich eigentlich erträumt. Für mich persönlich ist die Sterbebett-Frage immer sehr aussagekräftig, wenn ich irgendwelche Entscheidungen treffen muss. Insofern toll, dass sie auch in deinem Artikel vorkommt.
    Liebe Grüße,
    Birte

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