Herzprobleme in den Wechseljahren ernstnehmen!

Herzstolpern, Herzrasen oder Engegefühl in der Brust kennen viele Frauen in den Wechseljahren – oft in Kombination mit Hitzewallungen und Schweißausbrüchen. Das kann eine „normale“ Folge der hormonellen Umstellung sein. Denn Östrogen erweitert unter anderem die Blutgefäße und senkt den Blutdruck. Durch das Auf und Ab der Hormone in den Wechseljahren schlägt das Herz manchmal kurzzeitig schneller und kräftiger oder stolpert gelegentlich. In den allermeisten Fällen besteht kein Grund zur Beunruhigung.

Trotzdem solltest du ärztlich abklären lassen, ob eventuell eine organische Ursache dahintersteckt. Eben weil diese Symptome sich so oft zum ersten Mal in den Wechseljahren bemerkbar machen, werden Herzprobleme bei Frauen leider oft nicht ernstgenommen – auch von manchen Ärzten nicht. Aber: Mit der Menopause lässt auch der schützende Effekt des Östrogens auf den Cholesterinspiegel und die Gefäßelastizität nach. Das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen steigt deshalb deutlich. Bis zum 60. Lebensjahr entwickelt sich bei jeder zweiten Frau Bluthochdruck. Der wird aber im Vergleich zu Männern weniger gut behandelt. Ein hoher Blutdruck kann sich durch Symptome äußern, die den typischen Wechseljahresbeschwerden gleichen – und deshalb oft damit verwechselt werden: Hitzewallungen, Herzrasen, Herzstolpern, Schlafstörungen und Kopfschmerzen beispielsweise. Auch der Cholesterinspiegel steigt nach der Menopause – besonders der Anteil des sogenannten schlechten LDL-Cholesterins, das Atherosklerose fördert. All das erhöht das Risiko für eine koronare Herzkrankheit (verengte Herzkranzgefäße), für Angina pectoris, Herzinfarkt und Schlaganfälle.

Kennst du deine Risikofaktoren?

Deshalb ist es in und nach den Wechseljahren besonders wichtig, die Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen im Auge zu behalten. Das sind:

  • Bluthochdruck
  • hoher Cholesterinspiegel (besonders ein hoher LDL-Wert)
  • Diabetes
  • Rauchen
  • Bewegungsmangel
  • Stress
  • eine frühe Menopause (vor dem 45. Lebensjahr)
  • Bluthochdruck während einer Schwangerschaft
  • Schwangerschaftsvergiftung (Präeklampsie)
  • genetische Veranlagung (zum Beispiel Bluthochdruck, Thrombosen oder Herzinfarkte in der Familie)

Was kannst du tun?

Spätestens in den Wechseljahren solltest aktiv werden, um dein Herz und deine Blutgefäße auch langfristig gesund zu erhalten.

  • Lass regelmäßig (mindestens einmal im Jahr) deine Blutfettwerte, deinen Blutzucker und Blutdruck überprüfen. 
  • Wenn in einer Schwangerschaft schon einmal eine Blutdruckerkrankung festgestellt wurde oder du sehr früh in die Wechseljahre gekommen bist: Sprich das beim Allgemeinarzt oder Internisten an.
  • Achte auf eine gesunde Ernährung mit viel Gemüse und Obst, wenig tierischem Fett, aber ausreichend hochwertigen pflanzlichen Ölen (zum Beispiel Olivenöl, Leinöl, Nussöl).
  • Beweg dich viel: Such dir einen Sport, der dir Spaß macht, geh so oft wie möglich zu Fuß und benutze die Treppe anstelle des Aufzugs. Besonders gut für das Herz-Kreislauf-System sind Ausdauersportarten. Aber: Jede Art von Bewegung ist besser als keine!
  • Falls du noch rauchst: Brauchst du noch mehr Gründe aufzuhören? Go for it!
  • Entschleunige dein Leben, plane ausreichend Pausen ein, sorge dafür, dass auf (nicht immer vermeidbaren) Stress Entspannung folgt. Ein guter Ausgleich sind zum Beispiel Meditation, Yoga, Progressive Muskelentspannung oder Fantasiereisen. Oder einfach mal „Löcher in die Luft schauen“ 😉

Und wie ist das mit einer Hormontherapie?

Eine moderne Hormontherapie mit bioidentischen Hormonen erhöht das Herz-Kreislauf-Risiko nach heutigen Erkenntnissen nicht – insbesondere dann nicht, wenn sie vor dem 60. Lebensjahr begonnen wird. Wenn du in den Wechseljahren sehr unter Hitzewallungen und anderen Beschwerden leidest, sind Bluthochdruck, Diabetes oder ein zu hoher Cholesterinspiegel kein Ausschlusskriterium für eine Hormontherapie. Allerdings müssen diese Risikofaktoren medikamentös gut eingestellt sein. Und: Die Östrogen-Komponente sollte nicht in Tabletten- oder Kapselform (oral) gegeben werden, sondern möglichst niedrig dosiert als Gel, Spray oder Pflaster über die Haut (transdermal). Ansonsten kann das Risiko für Thrombosen oder einen Schlaganfall steigen. 

In früheren Jahren wurde eine Hormontherapie sogar empfohlen, um das Herz-Kreislauf-Risiko nach den Wechseljahren zu senken. Davon raten die Leitlinien heute aber ab. Denn auch wenn die Elastizität der Gefäße möglicherweise positiv beeinflusst wird, lässt sich bislang nicht sicher ausschließen, dass das Thromboserisiko durch die Hormontherapie eventuell doch etwas zunimmt.

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