Verhütung in den Wechseljahren: Muss das noch sein?

Klar, mit 50+ ist die Wahrscheinlichkeit schwanger zu werden nicht mehr groß. Unmöglich ist es aber nicht. 2019 hat eine Chinesin im Alter von 67 Jahren noch ein Kind bekommen – angeblich auf natürliche Weise gezeugt. Auch wenn hinsichtlich der Entstehungsweise des Babys Zweifel erlaubt sind: Wenn du es nicht darauf anlegst, diesen Rekord zu brechen, solltest du den Gedanken an Verhütung nicht zu früh ad acta legen. Zumal eine so späte Schwangerschaft für Mutter und Kind mit einem hohen Komplikationsrisiko verbunden ist.

Tatsache ist: Bis zur Menopause, also der endgültig letzten Periodenblutung, können die Eierstöcke noch befruchtungsfähige Eizellen produzieren. Auch wenn der Zyklus schon sehr unregelmäßig und die letzte Menstruation schon Monate her ist. Wann die Menopause war, weiß man allerdings erst im Nachhinein: ein Jahr später. So lange müssen wir also verhüten. 

Das gilt übrigens auch dann, wenn du wegen deiner Wechseljahresbeschwerden eine Hormontherapie bekommst. Auch die schützt nämlich nicht vor einer Schwangerschaft.

Welche Verhütungsmethoden sind in den Wechseljahren nicht geeignet?

Prinzipiell gibt es keine Verhütungsmethode, die für Frauen in den Wechseljahren per se nicht mehr in Frage kommt. Allerdings steigt bei einigen mit zunehmendem Alter das Nebenwirkungsrisiko. Deshalb ist ab 50 das Angebot doch etwas eingeschränkt. 

Die Kombi-Pille (und andere Präparate mit Östrogen)

Die klassische Antibabypille, die aus einer Östrogen- und einer Gestagenkomponente besteht, erhöht das Risiko für Thrombosen, Herzinfarkte und Schlaganfälle. Wie stark, ist abhängig von der Östrogen-Dosis und der Art des enthaltenen Gestagens (also des synthetischen Gelbkörperhormons). Für Frauen, die ohnehin ein höheres Herz-Kreislauf-Risiko haben, ist sie generell nicht geeignet. Das sind insbesondere Raucherinnen, Frauen mit Bluthochdruck, starkem Übergewicht, einer Fettstoffwechselerkrankung, Migräne mit Aura oder einer genetischen Blutgerinnungsstörung.

Wer an Hitzewallungen oder anderen Wechseljahresbeschwerden leidet und keine dieser Risikofaktoren aufweist, für den hat die Verhütung mit der Pille sogar einen angenehmen Nebeneffekt: Sie wirkt ähnlich wie eine Hormontherapie und kann die Symptome lindern. Bei der Wahl des Präparats sollte man auf einen niedrigen Östrogengehalt (unter 30 Mikrogramm) und eine Gestagenkomponente mit geringem Thrombosepotenzial (z. B. Levonorgestrel oder Norethisteron) achten. Spätestens mit 50 wird es aber höchste Zeit, sich Gedanken über eine andere Verhütungsmethode zu machen. Denn danach wird die Pille nicht mehr empfohlen, weil das Thromboserisiko mit zunehmendem Alter immer weiter ansteigt. 

Der Vaginalring und das Verhütungspflaster enthalten ebenfalls kombinierte Hormone. Für sie gelten die gleichen Einschränkungen wie für die Pille.

Dreimonatsspritze

Die sogenannte Dreimonatsspritze enthält DMPA (Depot-Medroxyprogesteronacetat), ein synthetisches Hormon, das mit dem menschlichen Progesteron verwandt ist. Ähnlich wie die Kombinationspille erhöht auch die Dreimonatsspritze das Thromboserisiko. Außerdem kann sie die Knochendichte verringern. Dadurch steigt die Gefahr für Osteoporose. Spätestens mit 50 empfehlen Experten deshalb, auf eine andere Methode umzusteigen.

Natürliche Verhütung

Die Vorhersage der fruchtbaren Tage mit Hilfe der Temperaturmessung und Beobachtung des Gebärmutterhalsschleims ist nur möglich, solange der Eisprung noch halbwegs regelmäßig erfolgt. Schwankt der Zyklus bereits stark, ist diese Methode zu unsicher.

Welche Verhütung ist bis zur Menopause sinnvoll?

Ob du dich für eine hormonelle oder nicht-hormonelle Methode entscheidest, hängt vor allem davon ab, wie wichtig dir ein natürlicher Zyklus ist. Hormone können den Eintritt der Menopause verschleiern – verändern tun sie ihn aber nach wissenschaftlichen Erkenntnissen nicht.

Hormonspirale

Die Hormonspirale ist bei vielen Frauen in der Lebensmitte ein beliebtes Verhütungsmittel. Das T-förmige Hormondepot aus Kunststoff setzt in der Gebärmutter Levonorgestrel frei – ein Gestagen, das dem körpereigenen Progesteron ähnelt. Das verändert die Schleimhaut im Gebärmutterhals und in der Gebärmutter selbst so, dass Spermien nicht so leicht zum Ziel kommen und sich eine eventuell dennoch befruchtete Eizelle nicht einnisten kann. 

Bei vielen Frauen werden die Blutungen durch die Hormonspirale kürzer, schwächer und weniger schmerzhaft. Bei etwa der Hälfte bleibt sie komplett aus. Das empfinden viele als bequem. Allerdings hat es den Nachteil, dass man nicht weiß, wann die natürliche Menopause eintritt. In seltenen Fällen kann die Spirale verrutschen oder ausgestoßen werden.

Wer stark an Wechseljahresbeschwerden leidet, kann zusätzlich zur Hormonspirale Östrogene nehmen (am besten bioidentische). Bei einer höherdosierten Hormonspirale (Mirena®) braucht man dann kein zusätzliches Gestagen-Präparat zum Gebärmutterschutz. 

Minipille und Verhütungsstäbchen

Die Minipille enthält nur ein Gestagen (Levonorgestrel, Desogestrel), im Gegensatz zur klassischen Kombi-Pille aber kein Östrogen. Sie muss immer zum etwa gleichen Zeitpunkt eingenommen werden. Nach derzeitigem Kenntnisstand erhöht sie das Herz-Kreislauf-Risiko nicht und eignet sich deshalb auch als Verhütungsmethode für Frauen über 50 Jahren.

Bei vielen Frauen führt die Minipille dazu, dass die Periode unregelmäßig und schwächer wird oder ganz ausbleibt. Das macht es unmöglich zu erkennen, wann die Verhütung nicht mehr notwendig ist. Experten halten es außerdem für möglich, dass die Minipille einen Östrogenmangel in den Wechseljahren – und die daraus resultierenden Beschwerden –verstärken kann.

Ähnlich wie die Minipille wirkt das Verhütungsstäbchen, das an der Innenseite des Oberarms direkt unter die Haut gesetzt wird.

Kupferspirale

Die Kupferspirale, auch Intrauterinpessar genannt, wird in die Gebärmutter eingesetzt. Dort gibt sie Kupfer-Ionen frei, die die Beweglichkeit und Befruchtungsfähigkeit der Spermien einschränken. Das Kupfer beeinflusst auch die Struktur der Gebärmutterschleimhaut, sodass sich eine befruchtete Eizelle nicht mehr einnisten kann. Die Kupferspirale enthält keine Hormone. Deshalb verändert sie den natürlichen Zyklus nicht – du merkst also, wenn die Blutung unregelmäßig wird und schließlich ausbleibt. Ein Jahr nach der letzten Periode kann die Spirale dann entfernt werden. Allerdings kann sie die Blutung verstärken und unter Umständen auch Menstruationsschmerzen verschlimmern. Wie die Hormonspirale muss auch die Kupferspirale regelmäßig auf ihren korrekten Sitz überprüft werden.

Der Kupferball und die Kupferkette sind Weiterentwicklungen der Kupferspirale und beruhen auf demselben Wirkprinzip. Sie scheinen aber von vielen Frauen besser vertragen zu werden.

Kondome und andere Barrieremethoden

Alle Barrieremethoden – also Kondome, Scheidendiaphragma oder Portiokappe – kann man auch in den Wechseljahren anwenden. Frauen in der Lebensmitte haben oft ein besseres Körpergefühl und kommen mit diesen Methoden deshalb leichter zurecht als junge Mädchen. Sie sind zwar relativ unsicher, aber das wird großteils durch die verringerte Fruchtbarkeit in den Wechseljahren aufgewogen. Verbessern kann man die Verhütungssicherheit durch eine gewissenhafte Anwendung und die Kombination mit einer spermientötenden Creme.

Weil bei den meisten Frauen in den Wechseljahren die Familienplanung endgültig abgeschlossen ist, kommt auch eine Sterilisation infrage. Allerdings erfordert die Durchtrennung der Eileiter bei der Frau eine relativ aufwändige und teure Operation. Der entsprechende Eingriff beim Mann ist aus medizinischer Sicht deutlich einfacher.

Wann kann ich mit der Verhütung aufhören? 

Bei nicht-hormonellen Methoden ist es einfach, den Zeitpunkt der Menopause zu bestimmen: Wenn deine letzte Periode mindestens ein Jahr zurückliegt, kannst du auf Verhütung verzichten. Außer, du bist noch keine 50 Jahre alt – dann gilt ein Sicherheitsabstand von zwei Jahren. 

Anders sieht es aus, wenn du mit der Hormonspirale oder anderen rein gestagenhaltigen Methoden verhütest. Dann ist das Ausbleiben der Blutung kein sicheres Indiz. Die meisten Ärzte empfehlen, auf jeden Fall bis 55 weiter zu verhüten. Wenn danach noch ein Jahr keine Periode kommt, sollte das Thema endgültig beendet sein. Eine andere Möglichkeit ist es, den FSH-Spiegel messen zu lassen. Liegt der zweimal im Abstand von sechs Wochen über dem Grenzwert von 30 IU/ml, kann man davon ausgehen, dass die Eierstöcke keine Eizellen mehr produzieren.

Mehr Infos über die verschiedenen Verhütungsmethoden findest du auf familienplanung.de, einer Seite der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.

6 Gedanken zu „Verhütung in den Wechseljahren: Muss das noch sein?“

  1. Hallo Clara,
    Vielen Dank für den interessanten Beitrag. Ich hatte mich schon gefragt, ob man nach einem Jahr nach der letzten Periode sicher sein kann, nicht mehr schwanger zu werden. Den FSH Spiegel 2-mal zu messen, klingt interessant. Ich nehme aber an, dass das bei einer Hormonersatztherapie nicht so gut funktioniert, oder?
    Liebe Grüße. Heike

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    • Liebe Heike, der FSH-Spiegel sollte durch eine Hormontherapie eigentlich nicht beeinflusst werden. Sprich doch mal deinen Frauenarzt an, ob eine Messung in deinem Fall Sinn machen würde.
      Liebe Grüße, Clara

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      • Hallo Clara 😊 vielen Dank für deinen Artikel, der hat mir jetzt sehr geholfen. Ich bin fast 53 und war vor ein paar Wochen zu Vorsorge. Da sagte meine Ärztin ich könnte jetzt mit der Pille eigentlich aufhören da meine Schleimhaut ganz dünn wäre und die Eierstöcke ganz klein. Ich wollte dann die Packung noch fertig nehmen, hab aber immer wieder mal eine ausgelassen (vielleicht so 5 Stück) und bekam dann Blutungen. Da war ich dann ziemlich verunsichert und nehm die Pille jetzt wieder regelmäßig. So ein Test sollte jetzt wohl Klarheit bringen. Vielen Dank für den Tipp. Liebe Grüße Micha

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        • Liebe Micha, deine Blutungen kamen wahrscheinlich vom Auslassen der Pille. Das hat nichts damit zu tun, ob du noch schwanger werden kannst. Aber sprich sicherheitshalber lieber mit deiner Ärztin darüber. Am Ultraschall kann man auch sehen, wie aktiv die Eierstöcke noch sind, aber das ist eher eine Momentaufnahme.
          Liebe Grüße, Clara

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  2. Hallo Clara, das war wieder ein sehr interessanter Beitrag, vielen Dank! Muss ich eine Messung des FSH-Spiegels selber zahlen? Liebe Grüße, Tanja

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    • Liebe Tanja, die FSH-Messung bezahlt die Kasse „bei medizinischer Indikation“. Wahrscheinlich hängt es also davon ab, wie dein Arzt/ deine Ärztin die Messung begründet. Je nachdem, womit du verhütest, ist der Test aber wahrscheinlich billiger, als noch ein paar Jahre weiter zu verhüten.
      Liebe Grüße, Clara

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